“Jeder Chinese ist beispielsweise – ob er will oder nicht- Konfuzianer. In seinen Adern fließt konfuzianischer Geist.” (Gu Xuewu, Konfuzius zur Einführung. 1999)
“All in China who receive the slightest tincture of learning do so at the fountain of Confucius.” (James Legge, The Chinese Classics, Vol I, Prolegomena)
Definitionen des Konfuzianismus (chin. rujia) gibt es so viele, wie es Bücher über den Konfuzianismus gibt.
Hier die Stimmen zweier Sinologen und drei Einträge aus gängigen Lexika:
1. “Der Konfuzianismus, genannt nach seinem Begründer Konfuzius, ist dasjenige philosophische System, welches für China die größte Bedeutung gewonnen hat, zur Staatsphilosophie oder Staatsreligion erhoben wurde und noch heute fortwirkt. Die Konfuzianer sind die Übermittler der ältesten chinesischen Kultur, welche sie vor dem Untergang gerettet, gefestigt und weitergebildet haben. Die alten weisen Herrscher wurden ihre Vorbilder, denn das Altertum galt für sie als die Zeit der höchsten Weisheit und der größten Vollkommenheit. Ihr Denken ist ganz auf das Diesseits gerichtet, eine praktische common- sense Philosophie oder Lebensweisheit. [...] Die Tugendlehre und der Staatsgedanke sind das, was die Konfuzianer fast ausschließlich beschäftigt und unter den Tugenden Wohlwollen, kindliche Liebe, Gerechtigkeit und Sittlichkeit.” [aus: Alfred Forke, Geschichte der alten chinesischen Philosophie, Hamburg, 2.A. 1964, S. 98: "Die Konfuzianer"]
2. “Der Erfolg des Konfuzianismus dürfte zum einen auf sein relativ moderates und flexibles Auftreten bei gleichzeitiger Unbeugsamkeit in den Grundsätzen zurückzuführen sein. Während die Konkurrenten oft Extrempositionen beziehen, bemüht er sich um eine Vermittlung, die ein moralisch unkorrumpiertes Leben bei gleichzeitiger Erfüllung aller Pflichten gegenüber Familie, Öffentlichkeit und Staat möglich machen soll. [...] Mit seinem Sinn für Tradition, Rituale und den common sense und mit seinem reflektierten Verhältnis zur Macht, der er in Maßen Anerkennung zollt, auf die er aber zugleich moderierend einwirkt und der er durch die Moral Grenzen setzt, verfügt der Konfuzianismus ferner über das ausgeglichenste Programm einer stabilen sozialen Integration.” [aus: Heiner Roetz, Konfuzius, München: 1995, S. 44f]
3. “Konfuzianismus, neben Taoismus und Buddhismus einflußreichste philos. Geisteshaltung in China und O-Asien, die in China seit der Handynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.) bis zum Ende des Kaisertums (1912) verbindl. Staatsdoktrin war. Der K. ist prakt., moral. Philosophie. Zentrales Anliegen ist die Fundierung des einzelnen, der Familie und des Staates in der Moral, d. h. in der Menschlichkeit, die sich in den 5 konfuzian. “Kardinaltugenden” der gegenseitigen Liebe, der Rechtschaffenheit, der Weisheit, der Sittlichkeit und der Aufrichtigkeit (“hsin”) sowie in den “drei unumstößl. Beziehungen” verwirklicht: Unterordnung des Sohnes unter den Vater, des Volkes unter den Herrscher und der Frau unter den Mann.” aus: Meyer’s Lexikon
4. “Zentrales Anliegen des Konfuzianismus sind gute Führung, praxisbezogenes Wissen sowie angemessene gesellschaftliche Beziehungen. Der Konfuzianismus prägte die Lebenseinstellung der Chinesen sowie bestimmte Lebensmuster und gesellschaftliche Standardwerte und lieferte den Hintergrund für politische Theorien und Institutionen Chinas. Er verbreitete sich von China über Korea und Japan bis nach Vietnam und weckte auch das Interesse abendländischer Gelehrter. Obwohl der Konfuzianismus zur offiziellen Ideologie Chinas erhoben wurde, hat er sich nie im Sinne einer Religion mit Kirchen und Priestern institutionalisiert.” [Microsoft® Encarta® Professional 2002. © 1993-2001 Microsoft Corporation.]
5. “Ein in China entstandenes System von religiösen, philosophischen und gesellschaftlich-politischen Ideen und Wertvorstellungen, das auf die Lehren des Konfuzius zurückgeführt wird, jedoch erst seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. zum geschlossenen Lehrgebäude ausgebaut und zur chinesischen Staatsdoktrin erhoben wurde. Der Konfuzianismus ist zunächst eine gesellschaftliche und politische Ethik; er stellt Verhaltensnormen in den zwischenmenschlichen Beziehungen in den Vordergrund.” [wissen.de]
Weiterführende Literatur:
Geschichte der chinesischen Philosophie: Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus
Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung: Studien zur chinesischen Geistesgeschichte
Zur Sache des Bewusstseins: Phänomenologie – Buddhismus – Konfuzianismus
