Posts Tagged ‘Konfuzianismus’

Was ist Konfuzianismus?

admin Posted in Konfuzianismus, Konfuzius,Tags: , ,
0

“Jeder Chinese ist beispielsweise – ob er will oder nicht- Konfuzianer. In seinen Adern fließt konfuzianischer Geist.” (Gu Xuewu, Konfuzius zur Einführung. 1999)

“All in China who receive the slightest tincture of learning do so at the fountain of Confucius.” (James Legge, The Chinese Classics, Vol I, Prolegomena)

Konfuzius-Bilder

Bilder rund um Konfuzius

78 Photos


Definitionen des Konfuzianismus (chin. rujia) gibt es so viele, wie es Bücher über den Konfuzianismus gibt.

Hier die Stimmen zweier Sinologen und drei Einträge aus gängigen Lexika:

1. “Der Konfuzianismus, genannt nach seinem Begründer Konfuzius, ist dasjenige philosophische System, welches für China die größte Bedeutung gewonnen hat, zur Staatsphilosophie oder Staatsreligion erhoben wurde und noch heute fortwirkt. Die Konfuzianer sind die Übermittler der ältesten chinesischen Kultur, welche sie vor dem Untergang gerettet, gefestigt und weitergebildet haben. Die alten weisen Herrscher wurden ihre Vorbilder, denn das Altertum galt für sie als die Zeit der höchsten Weisheit und der größten Vollkommenheit. Ihr Denken ist ganz auf das Diesseits gerichtet, eine praktische common- sense Philosophie oder Lebensweisheit. [...] Die Tugendlehre und der Staatsgedanke sind das, was die Konfuzianer fast ausschließlich beschäftigt und unter den Tugenden Wohlwollen, kindliche Liebe, Gerechtigkeit und Sittlichkeit.” [aus: Alfred Forke, Geschichte der alten chinesischen Philosophie, Hamburg, 2.A. 1964, S. 98: "Die Konfuzianer"]

2. “Der Erfolg des Konfuzianismus dürfte zum einen auf sein relativ moderates und flexibles Auftreten bei gleichzeitiger Unbeugsamkeit in den Grundsätzen zurückzuführen sein. Während die Konkurrenten oft Extrempositionen beziehen, bemüht er sich um eine Vermittlung, die ein moralisch unkorrumpiertes Leben bei gleichzeitiger Erfüllung aller Pflichten gegenüber Familie, Öffentlichkeit und Staat möglich machen soll. [...] Mit seinem Sinn für Tradition, Rituale und den common sense und mit seinem reflektierten Verhältnis zur Macht, der er in Maßen Anerkennung zollt, auf die er aber zugleich moderierend einwirkt und der er durch die Moral Grenzen setzt, verfügt der Konfuzianismus ferner über das ausgeglichenste Programm einer stabilen sozialen Integration.” [aus: Heiner Roetz, Konfuzius, München: 1995, S. 44f]

3. “Konfuzianismus, neben Taoismus und Buddhismus einflußreichste philos. Geisteshaltung in China und O-Asien, die in China seit der Handynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.) bis zum Ende des Kaisertums (1912) verbindl. Staatsdoktrin war. Der K. ist prakt., moral. Philosophie. Zentrales Anliegen ist die Fundierung des einzelnen, der Familie und des Staates in der Moral, d. h. in der Menschlichkeit, die sich in den 5 konfuzian. “Kardinaltugenden” der gegenseitigen Liebe, der Rechtschaffenheit, der Weisheit, der Sittlichkeit und der Aufrichtigkeit (“hsin”) sowie in den “drei unumstößl. Beziehungen” verwirklicht: Unterordnung des Sohnes unter den Vater, des Volkes unter den Herrscher und der Frau unter den Mann.” aus: Meyer’s Lexikon

4. “Zentrales Anliegen des Konfuzianismus sind gute Führung, praxisbezogenes Wissen sowie angemessene gesellschaftliche Beziehungen. Der Konfuzianismus prägte die Lebenseinstellung der Chinesen sowie bestimmte Lebensmuster und gesellschaftliche Standardwerte und lieferte den Hintergrund für politische Theorien und Institutionen Chinas. Er verbreitete sich von China über Korea und Japan bis nach Vietnam und weckte auch das Interesse abendländischer Gelehrter. Obwohl der Konfuzianismus zur offiziellen Ideologie Chinas erhoben wurde, hat er sich nie im Sinne einer Religion mit Kirchen und Priestern institutionalisiert.” [Microsoft® Encarta® Professional 2002. © 1993-2001 Microsoft Corporation.]

5. “Ein in China entstandenes System von religiösen, philosophischen und gesellschaftlich-politischen Ideen und Wertvorstellungen, das auf die Lehren des Konfuzius zurückgeführt wird, jedoch erst seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. zum geschlossenen Lehrgebäude ausgebaut und zur chinesischen Staatsdoktrin erhoben wurde. Der Konfuzianismus ist zunächst eine gesellschaftliche und politische Ethik; er stellt Verhaltensnormen in den zwischenmenschlichen Beziehungen in den Vordergrund.” [wissen.de]

Weiterführende Literatur:

Der Konfuzianismus

Geschichte der chinesischen Philosophie: Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus

Konfuzianismus erleben: Geistige Grundlagen, Zeremonien und Feste, Konfuzianische Politik, Familie und Ahnenverehrung, Autoritätsgläubigkeit, Formen des Protestes

Konfuzianismus: Kontinuität und Entwicklung: Studien zur chinesischen Geistesgeschichte

Max Weber Gesamtausgabe. Studienausgabe: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. Konfuzianismus und Taoismus: Schriften 1915 – 1920: Abt. I/19

Konfuzianismus

Zur Sache des Bewusstseins: Phänomenologie – Buddhismus – Konfuzianismus

Ist der Konfuzianismus eine Religion?

admin Posted in Konfuzianismus,Tags: , ,
0

Ist der Konfuzianismus eine Religion?
von: Erling Weinreich

kf_tempel

Kann der Konfuzianismus als Religion bezeichnet werden? – Für einen Nicht-Theologen ist diese Frage nur schwer zu beantworten, denn wer weiß schon, was genau eine Geistesströmung oder Bewegung eigentlich auszeichnen muß, um als Religion bezeichnet zu werden?

Wenn man den Brockhaus konsultiert, liest man unter dem Eintrag Religion:

“Begriff, der eine Fülle histor. Erscheinungen bezeichnet, denen ein spezif. Bezug zw. dem “Transzendeten” einerseits und dem Menschen andererseits in einer deren Verhalten normativ bestimmenden Weise zugrundeliegt.”

Daß es sich beim Konfuzianismus um eine “die Gesellschaft strukturierende Kraft” handelt, kann nicht bezweifelt werden, nur: Wo genau spielt eigentlich das “Transzendente” im Konfuzianismus eine Rolle?
Der bekannte Theologe Hans Küng zieht sich ein wenig aus der Affäre, denn er nennt den Konfuzianismus eine “Religion weisheitlichen Charakters” und spricht von Konfuzius als dem “religiösen Typus des Weisen”. Transzendentes ist an sich in der chinesischen Volksreligion leicht auszumachen, es gibt Schamanen, Opferkulte, Geistwesen, ekstatische Kulte uv.m. Doch im Konfuzianismus gibt es all dies ja gerade nicht. Der einzige Bezug zum “Unsterblichen” ist vielleicht sogar die “Ahnenverehrung” – der Familienkult als Ort der Unsterblichkeit, des Weiterlebens nach dem Tod.

Im chinesichen Altertum konzentrierten sich alle Denkschulen im wesentlichen auf die zwei Fragen: Welchen Stellenwert hat der Mensch im Universum? (> Sinn des Lebens) Und: Wie finden die Menschen eine soziale Ordnung und Harmonie? (Wir würden das wahrscheinlich “Humanismus” nennen.) Es dreht sich alles um die moralische Verantwortung des Menschen zur rechten Gestaltung von menschlichen Beziehungen und der politischen Ordnung. Doch wenn man die konfuzianischen Schriften richtig liest und beim Wort nimmt, wird klar, dass sie doch einen transzendenten Bezug haben und man von einer “konfuzianischen Spiritualität” sprechen muß: Denn die Harmonie unter den Menschen wird ja aus einer Harmonie des Himmels abgeleitet – Die moralische Ordnung entspringt der kosmischen Ordnung und wird ihr gleichgesetzt (“Wille des Himmels”). Wie oft ruft schließlich auch Konfuzius den Himmel (“Tian”) an!

Trotzdem: In den zwei Jahrtausenden seines Bestehens konnte der Konfuzianismus in China die religiösen Bedrüfnisse des Menschen, die “meta-empirische Ebene”, nicht befriedigen. Dafür waren in China seit je her Buddhismus und Taoismus zuständig. Für Chinesen war es deswegen noch nie ein Widerspruch, gleichzeitig Konfuzianer, Taoist und Buddhist zu sein – denn letztlich sind alle drei für verschiedene Lebensbereiche zuständig.

So hat der Kaiser Xiaozong der südlichen Song-Dynastie (1163-1189) einmal gesagt:

“Der Buddhimus ist für den Geist zuständig, der Taoismus für den Körper und der Konfuzianismus für die Gesellschaft”.*

*Dieses Zitat findet sich in der Schrift “San jiao ping xin lun” des Li Mi (Diese Schrift fiel mir vor kurzem dank eines glücklichen Zufalls im Lingyin si in Hangzhou in die Hände).
Dort werden übrigens noch eine Reihe anderer bildhafter Vergleiche herangezogen. Interessant auch der folgende:

“Der Konfuzianismus kümmert sich um die Haut des Menschen, der Taoismus um seinen Blutkreislauf und der Buddhismus um sein Knochenmark”.

Siehe auch: Christianity and World Religions: Disputed Questions in the Theology of Religions: An Introduction to the Theology of Religion. In diesem Buch setzt sich der bekannte Theologe Hans Küng im Dialog mit Julia Ching, Professorin für Religionswissenschaft, intensiv mit Konfuzianismus, Taoismus, Buddhismus und chinesischer Volksreligion auseinander. Das Buch zeigt, wie fruchtbar der Austausch der christlichen Religion mit den Religionen Chinas sein kann.

Videobeitrag: Zeremonie im Konfuzius-Tempel (“Ceremony of Sacrifice for Confucius in China”)

admin Posted in Konfuzianismus, Konfuzius,Tags: , , ,
0
YouTube Preview Image