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Was sind die “Gespräche” des Konfuzius?

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Die “Gespräche” des Konfuzius, chin. “Lunyu”, sind die wichtigste und zugleich wohl auch verlässlichste Quelle zur Lehre und zum Leben des Konfuzius. Aufgezeichnet wurde das Buch nach dem Tode des Konfuzius von seinen “Enkelschülern”, d.h. von den Schülern seiner Schüler (ca. 5./4. Jh. v.Chr.).

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Den chinesischen Titel des Werkes, “Lunyu”, mit “Gespräche” wiederzugeben, ist eigentlich nicht ganz richtig. Eine korrekte Übersetzung wäre: “Gesammelte Antworten” (”lun” wird hier als “sammeln, kompilieren” verstanden, “yu” als die gegebenen Antworten).
Der Titel “Gesammelte Antworten” trifft den Charakter des Buches ziemlich gut: In ihm finden sich nämlich in der Regel Gesprächssituationen, in denen der Meister Konfuzius von seinen Schülern zu konkreten Einzelproblemen befragt wird. Neben seinen Schülern stellen auch andere Leute gelegentlich Fragen an ihn. Eine Besonderheit der Lehrweise des Konfuzius besteht nun darin, dass er je nach Kenntnisstand und Charakter des Schülers auf ein und dieselbe Frage ganz andere Antworten gibt. Daran sieht man, wie wichtig bei den Sprüchen des Konfuzius der jeweilige Kontext der Aussage ist, seine Aussprüche sind immer als Antworten auf konkrete Probleme zu verstehen.
Das Werk selbst besteht aus ca. 500 Sprüchen in 20 Kapiteln. In der Han-Zeit (208 v Chr. -220 n. Chr.) gab es neben dem “Lunyu” aus dem Staate Lu mit 20 Kapiteln noch eins mit 21 und eins mit 23 Kapiteln. Hanzeitliche Gelehrte verglichen die drei Ausgaben, die sich an mehr als 400 Stellen unterschieden, und stellten daraus ein “neues” Werk auf Basis des Lu-Textes zusammen, das dem heutigen “Lunyu” entspricht.
Die 20 Kapitel des “Lunyu” stellen keine thematische oder in irgendeiner Form systematische Einteilung dar, obwohl immer wieder über diese Fragen spekuliert wurde und man in einzelnen Kapiteln bestimmte Themenschwerpunkte erkennen kann (z.B. Kapitel 10: Lebenswandel des Konfuzius). Die Kapitelüberschriften sind lediglich aus den ersten zwei Schriftzeichen des Kapitelbeginns gebildet.

Erling Weinreich, 08.04.2008

Weiterführende Literatur:

Gespräche ( Lun-Yu)

Gespräche (Lunyu)

Übersicht: Die 20 Kapitel der “Gespräche des Konfuzius (Lunyu)”

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Kapitel  / Anzahl der Sprüche (insgesamt: 503)*. Die ersten beiden Zeichen eines jeden Kapitels bilden die Kapitelbezeichnungen.

1.  Kapitel:  Xue Er (16 Sprüche)

2. Kapitel: Wei Zheng (24 Sprüche)

3. Kapitel: Ba Yi (26 Sprüche)

4. Kapitel: Li Ren (26 Sprüche)

5. Kapitel: Gong Ye Chang (28 Sprüche)

6. Kapitel: Yong Ye (30 Sprüche)

7. Kapitel: Shu Er (38 Sprüche)

8. Kapitel: Tai Bo (21 Sprüche)

9. Kapitel: Zi Han (31 Sprüche)

10. Kapitel: Xiang Dang (18 Sprüche)

11. Kapitel: Xian Jin (26 Sprüche)

12. Kapitel:  Yan Yuan (24 Sprüche)

13. Kapitel: Zi Lu (30 Sprüche)

14. Kapitel: Xian Wen (44 Sprüche)

15. Kapitel: Wei Ling Gong (42 Sprüche)

16. Kapitel: Ji Shi (14 Sprüche)

17.  Kapitel: Yang Huo (26 Sprüche)

18. Kapitel: Wei Zi (11 Sprüche)

19.  Kapitel: Zi Zhang (25 Sprüche)

20. Kapitel: Yao Yue (3 Sprüche)

* Diese Zählung basiert auf der Ausgabe: Jin Liangnian: Lunyu yizhu. Shanghai guji chubanshe, 1995.

jin_liang_nian_s

Vgl. hierzu auch:  ”Analects Concordance Table”:

ly_kapitel_konkordanz

Bemerkungen zum bekannten Spruch: “He, who wishes to secure the good of others has already secured his own.”

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Einer meiner Leser hat mich letzte Woche nach einer passenden deutschen Übersetzung für den im englischen Sprachraum vielzitierten und bekannten Konfuzius-Spruch “He, who wishes to secure the good of others has already secured his own” gefragt.

Hierbei handelt es sich im chinesischen Original um folgende Passage aus den „Gesprächen“ des Konfuzius, die – vermutlich nach Durchlauf diverser Nachübersetzungen -  nun in der zitierten englischen Form recht bekannt geworden ist:

Lunyu 6. 28

Lunyu 6. 28

Lunyu 6.28 (bzw. 6.30, je nach Ausgabe)

Wortlaut in der klassischen Übersetzung Richard Wilhelms aus dem Jahr 1914 (2.A.):

„Was den Sittlichen anlangt, so festigt er andere, da er selbst wünscht gefestigt zu sein, und klärt andere auf, da er selbst wünscht aufgeklärt zu sein“ (Richard Wilhelm: Kungfutse Gespräche (Lun Yü), Jena 1945, Seite 60).

Ich würde die Passage wie folgt übersetzen:

Ein wirklich guter Mensch – das ist jemand, der selbst etwas erreicht, indem er  anderen hilft etwas zu erreichen;
und der selbst etwas erlangt, indem er anderen hilft etwas zu erlangen.

Die klassische englische Übersetzung von James Legge lautet übrigens:

1. Tsze-kung said, “Suppose the case of a man extensively conferring benefits on the people, and able to assist all, what would you say of him? Might he be called perfectly virtuous?” The Master said, “Why speak only of virtue in connection with him? Must he not have the qualities of a sage? Even Yao and Shun were still solicitous about this.
2. “Now the man of perfect virtue, wishing to be established himself, seeks also to establish others; wishing to be enlarged himself, he seeks also to enlarge others.
3. “To be able to judge of others by what is nigh in ourselves;¡V this may be called the art of virtue.”

Legge VI.28.

Anzumerken wäre hier noch, dass bei Konfuzius die Frage nach dem eigenen Vorteil eigentlich nicht im Mittelpunkt steht, siehe auch:

Lunyu 9.1 (Kapitel Zi Han)
Konfuzius sprach selten über persönlichen Vorteil (…)

Lunyu 4.12 (Kapitel Li Ren)
Konfuzius sprach: “Wer in seinem Tun nur an den eigenen Vorteil denkt, der wird sich viele Feinde machen.”

Übersetzungen: Erling Weinreich
31.08.2008