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Sein Name sei “Confucius”

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Sein Name sei “Confucius” – wie aus Kongzi unser Konfuzius wurde

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“CUM FU CU SIVE CONFUCIUS” (“Kongfuzi oder Konfuzius”) lautet die Bildunterschrift zu dem obigen Bild aus dem Confucius Sinarum Philosophus (1687). Sie ist der älteste Beleg für den latinisterten Namen des chinesischen Weisen Kongzi, “Confucius”.

Fragt man einen chinakundigen Menschen nach dem Ursprung des europäischen Namens “Konfuzius” bzw. “Confucius”, ist dieser selten um eine Antwort verlegen:

Confucius, wird er sagen, das ist die von den Jesuiten der China-Mission im 17. Jahrhundert latinisierte Form von Kong Fuzi, Meister Kong.

Und wirklich muss man ja an das chinesische “Kongfuzi” nur noch ein “-ius” anhängen, schon hat man aus dem chinesischen Weisen einen den Europäern leicht von der Zunge gehenden Konfuzius gemacht.

Soweit scheint ja alles klar zu sein, wäre da nicht ein Problem: Im Chinesischen gibt es die Form “Kong fuzi” praktisch nicht.

Lionel M. Jensen ist diesem Problem in seiner Monumentalstudie Manufacturing Confucianism nachgegangen und hat festgestellt, dass dieser Ausdruck in keiner Ausgabe des Lunyu, noch an irgendeiner Stelle in den 24 Dynastiegeschichten auftaucht – er hat nur einen Beleg aus der mongolischen Yuan-Dynastie gefunden, somit handelt es sich um eine extrem ungebräuchliche Form.

Die Jesuiten, sagt er, haben nicht nur “Confucius” gemacht, sondern auch ” Kong Fuzi”. Das blosse “Kongzi” war ihnen angesichts all der anderen Weisen, die auch ein “-zi” trugen, wohl zu profan.

Mit anderen Worten: Nicht nur “Konfuzius”, auch “Kong Fuzi” ist letztlich eine westliche Namensgebung, unser Konfuzius müsste eigentlich richtig “Kongzius” heissen.

Zugleich macht diese Namensgebung auch klar, dass eigentlich nur dieser eine weise Meister Kong es Wert war, einen lateinischen Namen zu erhalten und so zum Teil der europäischen Sprache und Diskurse zu werden, selbst “Menzius” geht schon nicht mehr so leicht von der Zunge, Laotius gar? Völlig undenkbar – Es kann eben nur einen “Philosophorum sinensium Princeps” geben. Die bei uns gebräuchliche Form “Konfuzius” alleine zeigt also schon, dass die Position des chinesischen “Kongzi” als wichtigstem Philosophen des alten China unangefochten ist.

P.S. Der Name “Confucius” hat sich erst mit dem Confucius Sinarum Philosophus, sive Scientia Sinensis (1687) durchgesetzt, zu Beginn des 17. Jahrhunderts gab es da noch alle möglichen Varianten: “Confusius, Confutius, Confuzo, Cumfuceio, il Confutio”.

Die älteste Form scheint Confusius zu sein, belegt schon im Jahr 1579 in Michele Ruggieris “Vera et brevis divinarum rerum expositio”. Und da sage noch einer, das Ganze mache nicht völlig konfus!

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(Copyright: The Economist)

Ich bleibe da lieber beim chinesischen “Kongzi”, Meister Kong…
Doch gibt es nicht auch im Chinesischen heillose Verwirrung, weil sich die chinesischen Kaiser nie entscheiden konnten, ob sie Konfuzius als einen König in einer Palasthalle verehren sollten, oder nur als einen Weisen im Tempel?
Das zumindest zeigt die wechselvolle Geschichte der Ehrennamen des Konfuzius.

Geblieben ist bis heute dieser:

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“Der Große Vollendete Höchste Weise und Erste Lehrer”

Erling Weinreich, 08.04.2008

“Der Große Vollendete Höchste Weise und Erste Lehrer”* – Ehrentitel des Konfuzius

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Es gibt kaum einen besseren Gradmesser für die Bedeutung, die Konfuzius im Laufe der chinesischen Geschichte beigemessen wurde, als die wechselnden Ehrentitel, mit denen er postum ausgestattet wurde.

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Diese Ehrentitel geben nicht nur Aufschluß über dynastische “Moden”, sie verraten auch, welchem Aspekt seines Vermächtnisses jeweils besondere Bedeutung zugemessen wurde, m.a.W. sie geben immer auch Aufschluß über die den Titel vergebende Dynastie selbst.

Besonders aufschlußreich: Vom 7. Jh. bis zum 14. Jh. trug Konfuzius einen Königstitel, der ihm aber mit der Zunahme autokratischer Herrschaft in der Ming-Dynastie wieder abgenommen wurde.

1.) Chun-Qiu-Zeit (770-476 v. Chr.)

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479 v. Chr.
Herzog Ai von Lu verleiht Konfuzius in seinem Todesjahr den Titel: “Vater Ni”. **

2.) Han-Zeit (206 v. Chr. – 220 n. Chr.)

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29 v. Chr.
König Ping der Han-Zeit belehnt im Jahr seines Regierungs-antritts den Nachfahren Konfuzius, Kong Jun, mit dem Titel “Fürst von Baocheng”. Konfuzius erhält den Titel “Strahlender Herzog Ni von Baocheng”.

3.) Nördl. Wei-Dynastie (420 -534 n. Chr.)

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492. n. Chr. “Heiliger der Literatur Vater Ni”

4.) Nördliche Zhou (557-589 n. Chr.)

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580 n. Chr.
“Herzog des Landes Zou”

5.) Sui-Dynastie (581-618 n. Chr.)

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589 n. Chr.
“Erster Lehrer Vater Ni”

6.) Tang -Zeit (618-907 n. Chr.)

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637 n. Chr.
“Strahlender Vater”

7.) Tang -Zeit (618-907 n. Chr.)

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666 n. Chr.
“Großlehrer” ***

8.) Tang -Zeit (618-907 n. Chr.)

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690 n. Chr.
“Herzog von Longdao”

9.) Tang -Zeit (618-907 n. Chr.)

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739 n. Chr.
“König der Verkündung der Literatur”

10.) Nördl. Song-Zeit (960-1127 n. Chr.)

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1008 n. Chr.
“Anfangsheiliger und König der Verkündung der Literatur”

11.) Nördl. Song-Zeit (960-1127 n. Chr.)

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1012 n. Chr.
“Höchster Heiliger und König der Verkündung der Literatur”

12.) Yuan-Zeit (1271-1368 n. Chr.)

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1307 n. Chr.
“Großer Vollendeter, höchster Heiliger und König der Verkündung der Literatur”

13.) Ming-Zeit (1368-1644 n. Chr. )

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1530 n. Chr.
“Höchster Heiliger und erster Lehrer Meister Kong”

14.) Qing-Zeit (1644- 1911)

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1645 n. Chr.
“Großer Vollendeter, Höchster Heiliger, Verkünder der Literatur und erster Lehrer Meister Kong”

*Quelle: Morohashi, Tesuji: Dai kan-wa jiten. Tokio: (1955-1960) 1985, Eintrag Nr. 6933-99.
**”Ni” war Bestandteil des Zi, des Beinamen von Konfuzius, “Zhong-Ni”. Der postume Ehrenname wurde hier nach altem zhouzeitlichen Brauch mit dem Beinamen versehen. Mit richtigem Namen hieß Konfuzius übrigens “Kong Qiu”, i.e. “Kong Hügel”.
*** Dieser postume Ehrenname wurde wie übrigens auch einige der folgenden Namen vergeben bei einem Besuch des Konfuzius-Tempels in Qufu (heutige Provinz Shandong) durch Kaiser Tang Gaozong im ersten Jahr seiner Regierung verliehen.

Erling Weinreich, 06.04.2008