Bemerkungen zur Geschichte des Konfuzius-Tempels

wp_admin Post in Konfuzianismus,Tags: , , ,
0

In ganz Ostasien gibt es hunderte von Konfuzius-Tempeln. Doch was für einen Ursprung hat der “Konfuzius-Tempel”? Die Herleitung des chinesischen Wortes für Tempel kann uns bei der Beantwortung dieser Frage weiterhelfen.
Das chinesische Wort für Tempel (“miao”) hat nämlich keinen sakral-kirchlichen Ursprung, sondern leitet sich ab aus dem Wort für “Angesicht” (“mao”) und bezeichnete den Ort, an dem man sich das Angesicht seiner verstorbenen Ahnen in Erinnerung rief.*

[album id=3 template=extend]

Der eigentliche chinesische Tempel ist also der Ahnentempel.

Und der Konfuzius-Tempel selbst ist in dieser Hinsicht der Ahnentempel der Nachfahren des Konfuzius aus der Familie Kong. Das erklärt, warum in den mehr als zwei Jahrtausenden seit seinem Tod im Jahr 479 v. Chr. meistens ein Mitglied aus der Familie Kong (nämlich der jeweils älteste Sohn) in leitender Funktion mit der Pflege und Wartung des Konfuzius-Tempels betraut war.

Der eigentliche Konfuzius-Tempel steht am Heimatort von Konfuzius, in der Stadt Qufu in Shandong, an der Straße “Queli”. Er ist an der Stelle errichtet worden, wo das Haus von Konfuzius stand und wo er seine Schüler unterrichtete. So wie bei uns also für den Dichter Thomas Mann in Lübeck ein “Thomas-Mann-Haus” eingerichtet wurde, haben schon ein Jahr nach seinem Tod, also im Jahr 478 v.Chr. seine Jünger, die seinen Tod so betrauerten wie den Verlust ihres eigenen Vaters, ein “Konfuzius-Haus” am Ort seines Wohnhauses eingerichtet und dort Erinnerungsgegenstände wie seine Kleidung, seine Kappe, seine Laute und seine Bücher gesammelt. Ein Tempel wurde daraus dann, als die Fürsten und Mächtigen dieses Haus besuchten und Konfuzius ihre Ehrerbietung erwiesen.

Das Konfuzius-Haus stand noch einige hundert Jahre später in seinem ursprünglichen Zustand, so dass der erste Konfuzius-Biograph, der Vater der chinesischen Dynbastiegeschichtsschreibung, Sima Qian, es noch fast unverändert vorfand. Der Gründerkaiser der Han-Dynastie war auch der erste Kaiser, der Konfuzius hier seine Aufwartung machte.
In den folgenden beiden Millennien hatte der Konfuzius-Tempel in Queli eine wechselhafte Geschichte, die das Auf und Ab in der Geschichte des Konfuzianismus in baulicher Hinsicht gut widerspiegelt. So verfiel der Tempel in der Blütezeit des Buddhismus und in den ersten Jahren der Fremdherrschaft regelmäßig, nur um danach in noch größerer Pracht und nie dagewesener Blüte aufzuerstehen.
Darin gleicht die Geschichte des Tempels auch der Geschichte der Ehrentitel des Konfuzius:  Die chinesischen Kaiser gaben sich eine konfuzianische Aura, indem sie Konfuzius imer wohlklingendere Ehrentitel verliehen und den Konfuzius-Tempel immer prächtiger gestalteten, die Opfer zu Ehren des Konfuzius immer aufwendiger machten. Das gehörte einfach zur “political correctness”. Fast jeder Kaiser späterer Zeit hat im Laufe seiner Regierungszeit in irgendeiner Form am Konfuzius-Tempel bauen oder renovieren lassen.***
Allein in den knapp dreihundert Jahren der Ming-Dynastie (1368-1644) wurde der Konfuzius-Tempel mehr als zwanzig Mal umgebaut oder renoviert. Das hat natürlich auch damit zu tun, daß der wesentliche Baustoff Holz war, das häufig einen neuen, farbenprächtigen Anstrich erhalten mußte. Die heutige Patina des hohen Alters (letzter großer Umbau war in den Jahren 1724 ff.) wäre einem chinesischen Kaiser wie Frevel erschienen, er hätte den Tempel umgehend in leuchtenden Farben streichen lassen und auf das Dach noch ein paar Ziegel in kaiserlichem Gelb (Was für ein Privileg!) gesetzt.

Im zwanzigsten Jahrhundert erreichte der unaufhaltsame Aufstieg des Konfuzius-Tempels seinen Höhepunkt: Im Jahr 1906 wurde der Konfuzius-Tempel mit besagten gelben Dachziegeln versehen und somit architektonisch auf eine Stufe mit dem Kaiserpalast gestellt. Gleichzeitig wurde das Konfuzius-Opfer in die höchstmögliche Opfer-Klasse erhoben und stand somit auf einer Ebene wie z.B. die Opfer zu Ehren des Himmels. In westlicher Terminologie ist Konfuzius damit quasi zu einem Gott erhoben worden.

Probleme bei Renovierungsarbeiten, wie sie z. B. in diesem Jahr (Februar 2001) durch die Nachrichten gingen, gab es beim Konfuzius-Tempel immer wieder, denn das kaiserliche Budget war beschränkt: Im Jahr 1411 z. B. wurde der Konfuzius-Tempel von Strafgefangenen so unsachgemäß repariert, dass noch ein Trupp an Restauratoren hinterhergeschickt werden mußte.
Der Konfuzius-Tempel brannte übrigens im Laufe der Geschichte mehrmals vollständig nieder, so z. B. in den Jahren 1499 und 1724. Der kommunistischen Regierung der VR China haben wir es zu verdanken, dass der Tempel im Jahr 1959 einen Blitzableiter erhielt!****
1977 bis 1981 und dann noch einmal im Jahr 1985 erfolgte ürbigens die letzte große Renovierung des Konfuzius-Tempels, der seit 1979 für die westliche Welt geöffnet ist.

* Hinweis für Sinologen: Vgl. den Kommentar zum Chun qiu, Gongyang zhuan, Huan Gong Jahr 2.
** Wie hier in Peking in der “Reichsschule” (Guozijian) lagen Konfuzius-Tempel und Akademie immer eng beieinander. Der Tempel war Ort des Gedächtnisses an Konfuzius Erinnerung und die Akademie der Ort, wo die Lehren des Konfuzius durch das Lernen vor der Vergessehnheit bewahrt wurden.
*** Die Throneingabe mit der Bitte um Renovierung kam übrigens meistens von den Nachfahren des Konfuzius aus der Familie Kong, deren Aufgabe es war, sich um den Erhalt des Tempels zu kümmern.
***** In den Kriegswirren des Jahres 1945 war die Tempelanlage übrigens ein beliebter Schutz: Denn zum Schutz des Tempels durften angreifende Truppen keine Kanonen einsetzen, sondern mussten “mit dem Dolch im Gewand” über die Mauern angreifen. (OT: “Bu Zhun xiang Kongmiao, Konglin da pao”)

Schätze der Welt. Asien. Teil 1. Tempel und Paläste.

Asien, Tempel und Paläste, 1 DVD

1 Paket a 20 Räucherstäbchen HEM Feng shui Metal

Autor: Erling Weinreich 1999

« Prev: :Next »

Leave a Reply

*